Sheki, letzte Station in Aserbaidschan

Sheki, letzte Station in Aserbaidschan

Nach zwei Tagen in Lahic kamen wir an unserem nächsten Ziel Sheki an oder war es Seki oder, Sheke, Shakki, Shaka, Shekin, Shakne, Shakkan. Mmmh, ist alles richtig, hat historische Gründe und würde jetzt zu lange dauern. Sheki gilt mit seinen 64.000 plus fast nochmal soviel Einwohner verteilt auf Dörfer drum herum  als Großstadt, fühlt sich aber eher wie eine kleine, sehr kleine Stadt an, mich stört das nicht.

Sheki ist unter anderem für seine Karawanserei bekannt, ursprünglich waren es mal sieben. Zwei Karawansereien existieren noch, eine wurde zu einem Hotel umgewandelt und die andere wird es noch. Allerdings gibt es dort alle möglichen Schwierigkeiten mit Bau, Finanzen usw. Aber die Fertige ist wirklich sehenswert.  Was eine Karawanserei ist wisst Ihr bestimmt alle, man hört es ja aus dem Wort schon raus, aber weil ich was zum schreiben brauch hier die schnelle Erklärung: Autobahnraststätte mit Übernachtungsmöglichkeit für Kamele. Bei >Wikipedia< gibt’s mehr dazu.

Inside the Karawanserei
Inside the Karawanserei
Karawanserei from outside
Karawanserei from outside

Was uns auch gleich auffiel war, dass sehr viele Straßen aufgerissen waren und das scheinbar schon länger. Unser Gastgeber Ilgar erklärte uns später, dass Wasser- und Abwasserleitungen erneuert würden. Und wenn es mal fertig würde, hätte die Stadt Anlass Wasserzähler zu installieren, derzeit wird wohl pauschal abgerechnet. Da man keine Zähler will, scheint man sich einig zu sein nicht fertig werden zu wollen. Klingt einleuchtend und das lass ich jetzt einfach mal so stehen.

 

street with buildings, street is cut open in middle
work in progress
another street cut open, car going over
work in progress

Wie hinkommen?

Von Lahic fährt einigermaßen regelmäßig eine Marschrutka nach Ismayilli zurück. Dort fahren Busse und Marschrutky hindurch Richtung Sheki – der Nachteil: Sie kommen aus Baku und sind meistens voll. Wir versuchten unser Glück, einen an der Tankstelle anzuhalten. Es fuhr einer vorbei, wir winkten, die Insassen winkten freundlich zurück – ohne anzuhalten. Leider voll. Naja, an der Kreuzung warten jede Menge Taxis, und die Fahrt damit kostet auch nur 50 Manat, also 25 Euro. Für die Strecke auf jeden Fall auch in Ordnung, also nahmen wir uns eins.

Wo schlafen?

Reisen kann recht anstrengend sein und so waren wir froh dann endlich in unserer nächsten Unterkunft angekommen zu sein, war nicht ganz leicht zu finden, aber nett. Ilgar war unser Gastgeber und kam etwas später dazu. Homestay, also praktisch zuhause bei einer Familie. Empfohlen und arrangiert hatte dies uns Dadash, unser Homestay-Gastgeber in Lahic. Die beiden kennen sich, auch Ilgar ist Manager des lokalen Touristen-Informationszentrums. Ilgar gibt sich viel Mühe und ist stetig am Arbeiten und Renovieren an seinem Haus. Darüber hinaus sei angemerkt, dass Ilgar sehr gut und offensichtlich gerne Englisch spricht und uns viele Informationen zu und um Sheki, Sheke, Shakki, Shaka, …. geben konnte. Sehr nützlich. Außerdem kann er Ausritte durch die schöne umgebende Berglandschaft organisieren – leider klappte es wegen des schlechten Wetters für uns nicht…

Room with beds, window, carpet
Our room at Ilgar’s Homestay

Essen in Sheki, Sheke, Shakki, Shaka, Shekin, Shakne…

Überall (wo wir essen waren) war es auch gut, außer im Sultan House. Ok, fairerweise sollte ich sagen, dass das Essen auch dort ok war, aber die Preise waren weit überzogen. Zwei- bis dreifach teurer als anderswo. Die Musik zu laut und Sachen werden in Rechnung gestellt die eigentlich dazu gehören sollten. Piti (besonders in Sheki sehr gut) hatten wir zum Beispiel, Brot ist ein Hauptbestandteil und wird trotzdem zusätzlich abgerechnet, erfährt man vorher aber nicht, das ist so als bestellte man eine Pizza und der Teig wird im Nachhinein zusätzlich abgerechnet. Nene, so geht das nicht. Im Nachhinein haben wir da noch einiges andere schlechtes über den Laden gehört. Schade, typische Touristenfalle.

Picture of a restaurant behind trees
SultanHouse – don’t go there, it’s a (tourist) trap!
Piti - bread with lamb broth, chickpeas, lamb and a lump of lamb fat
Piti – bread with lamb broth, chickpeas, lamb and a lump of lamb fat

Es gibt natürlich viele andere Gelegenheiten gut zu essen, das Gagarin direkt am Gagarin Park soll sehr gut sein, leider hatten wir nicht die Gelegenheit es auszuprobieren. Das Art Café Sheki ist auch sehr zu empfehlen, gute Teesets mit leckeren Süßigkeiten dazu. Weiter unten in der Stadt, von uns aus gesehen, im Zentrum und beim Bazar gibt es weitere Gelegenheiten gut und aussergewöhnlich günstig zu essen. Keiner muss übern Tisch gezogen werden, versprochen.

Inside a Café with a tea set on a table, a bar and lots of bits & bops
Our favorite café – the ArtCafé

Ein nettes lokales Mitbringsel ist das Sheki Halvasi, das überall angeboten wird. Weniger Halva, mehr eine Art Baklava und eine Spezialität der Region.

A guy cutting a tray of Baklava-looking sweets
Seki Halvasi

Was gibt’s zu sehen?

Natürlich gibt es in Sheki auch einige Sehenswürdigkeiten. Die sicherlich bekannteste, die Karawanserei, wurde ja oben schon erwähnt. Darüber hinaus lohnt sich der Besuch folgender Sehenswürdigkeiten:

Albanische Kirche in Kish

Von Sheki aus kann man mit einer Marschrutka nach Kish um die alte Albanische Kirche “Church of Elishe” aus dem 12. oder 13. Jahrhundert zu besuchen. Hat mit heutigen Albanern aber nichts mehr zu tun. Kostenpunkt etwa 0.15€ für das Marschrutkaticket also richtig gelesen 15 Cent! Eintritt war zwei Manat, also ein Euro. Ein kleines Kuriosum befindet sich direkt gegenüber der Kirche: Ein Monument für Thor Heyerdahl, und eine Tafel mit einem Zitat von ihm, das besagt, dass Odin aus Aserbaidschan stammen muss.

Pictures of a church and a garden
Die Albanische Kirche von Kish
Der Markt / Bazar

Hier bekommt man alles von Elektronik, Süßes, Bekleidung, Fisch, Fleisch bis hin zu Schafsköpfen und anderen leckeren Sachen. Fast alles was man braucht, oder auch nicht braucht.

Pictures of fruit, nuts, and a sheep head
On the central Bazaar
Das Kriegsdenkmal für den 2. Weltkrieg

Das Kriegsdenkmal für die gefallenen Soldaten des 2. Weltkrieges sollten wir natürlich nicht unerwähnt lassen. Meiner Meinung nach einer der Aussagekräftigsten die ich soweit gesehen habe.

Statuen und Soldatengräber in Steinmauer
Kriegsdenkmal in Sheki
Die “Burgruine”

Die Alte (oder nicht so alte) Burg. Sollte mal ein Hotel werden. Pfusch am Bau und/oder finanzielle Schwierigkeiten haben eine Ruine hervorgebracht die eine tolle Aussticht über Sheki beschert. Wenn man die beiden Mobilfunktürme direkt davor mal ignoriert.
Ob man rein darf oder es sicher ist können wir nicht beantworten, wir haben es jedenfalls getan und fanden es sehr spannend. Wir raten aus Gründen der Sicherheit davon ab, falls Ihr doch hineingeht das bitte auf eigene Gefahr und schön vorsichtig sein.

Ruins of an castle, that never got finished
The outside of the “castle”
Innenansicht einer Bauruine
The inside of the “castle”
Sicht auf die Stadt von oben, mit zwei großen Antennenmästen dazwischen
An almost amazing view
Sommerpalast

Sommerresidenz oder auch Kahnspalast, im Persischen Stil.
Ursprüglich gab es noch mehr Gebäude die Khan Muhammed Hassan 1797 errichten ließ, dies ist der einzige noch erhaltene und wurde ab etwa 1850 renoviert.
Photographieren drinnen nicht erlaubt, einige Touristen,  aber nicht überlaufen, Eintritt in den Palast etwas teuer aber das Gelände ist umsonst und der Park drum herum auch schön, mit einer weiteren Albanischen Kirche, die zu einem Museum umfunktioniert wurde.
Eintritspreise zu Zweit mit Guide 10 AZN.

Sommerpalast des Khans
Sommerpalast des Khans
Runde Kirche vor bewaldetem Bergpanorama
Albanische Kirche aus dem Parkgeländer
Winter Palast

Photographieren nur gegen Aufpreis, 3 AZN (1,50€) bei weiten nicht so touristisch wie der Sommerpalast. Da man im Sommerpalast aber gar nicht fotografieren darf, ist das hier eine gute Alternative. Fünf der sechs Zimmer sind zwar außerordentlich schlicht, ein Raum ist aber genauso prunkvoll wie alle Räume im Sommerpalast.
Also 2 x 2 AZN Eintritt, 3 AZN für Photos machen und 3 AZN für den Guide insgesamt 10 AZN also etwa 5 € für zwei Personen, ist ok. AZN ist übrigens die Abkürzung für Manat.

Plain palace on the outside, richly decorated room inside
Winterpalast

Aber Achtung, hier hat man uns Sultans House empfohlen. Später erfuhren wir, dass sie eine Provision für vorbeigebrachte Touristen erhalten. (Prüfen konnten wir das natürlich nicht, ist aber nicht abwegig, diese Praxis ist nicht neu und muss nicht schlecht sein.)

Sheki ist unsere letzte Station bevor es nach Georgien und Armenien weitergeht.

Aserbaidschan hat sich als enorm abwechslungsreiches Land erwiesen. Sei es der starke Kontrast zwischen dem prunkvollen Häusern von Baku dem Stadtleben oder dem eher einfachen aber sehr gemütlichen Landleben der kleinen Dörfer. Eines hatten sie alle gemeinsam, die Azeri sind ein sehr offenes, geschäftstüchtiges und überaus gastfreundliches Volk. Wer als offensichtlich Fremder länger als 30 Sekunden irgendwo planlos rumsteht, wird definitiv angesprochen werden und Hilfe angeboten bekommen, sehr wahrscheinlich auf Russisch und zur Not mit Händen und Füßen.
Wir haben uns hier überaus wohl und absolut sicher gefühlt. Definitiv eine Reise wert, und wir kommen sicher mal wieder (vielleicht aber erst, wenn wir einen neuen Reisepass haben – mit Armenischem Stempel ist die Einreise etwas unangenehmer, haben wir von anderen Reisenden gehört).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.